Wir über uns
Die Geschichte des BHSR
Wie alles begann, Hamburg 1983.
Liebe Frauen,
Eure und unsere gemeinsame Geschichte begann vor 17Jahren mit einem Comic aus der Dr.Marbuse: Eine Maus, ohnmächtig, alle viere nach oben gestreckt in einem verschlossenen Einmachglas,... eine ratlose Maus davorsitzend. Untertitel: - „Allein machen Sie dich ein.“Dies war der Briefkopf unserer Einladung zum 1. Hebammenschülerinnentreffen in Hamburg.
Der Satz entsprach so ziemlich genau unserem Befinden nach 1 1/2Jahren Ausbildung in einem sehr konservativen Traditionshaus. Die Euphorie, „Hurra -ein Ausbildungsplatz- war schnell vergangen und wir hatten längst realisiert, wie mühselig unser Weg zum Traumberuf war. Als Hebammenschülerinnen standen wir auf unterster Sprosse der Klinikhierarchieleiter. Die Schichtantrittsapelle hatten durchaus Bundeswehrflair. Wir hatten gelernt Kalkablagerungen mit Ampullensägen von Wasserhähnen abzukratzen und blutbefleckte Schuhe des Chefs(Gr.48)zu reinigen. Gehorsam sollten wir sein, gepflegt, adrett, jederzeit pflichtbewußt unter dem Komando von Hebammen und Schwestern, denen die Nachkriegszeit weder eigene Kinder noch Familie beschert hatte und deren Trauer darüber in Bitterkeit und Härte verkehrt war.
In diesen Gebärsälen war es unsere Aufgabe die Frauen im Bett zu halten, vorher waren sie mit Schamhaarrausur, einem Einlauf (nicht unter 1 1/2l) und Anstaltskleidung (weiß-blau gestreift)versorgt worden. Es gab den Leitsatz: „jede Erstgebärende braucht und bekommt eine Epi(med.lat.) und jede Mehrgebärende, wenn sie bereits eine hatte.“
Im Kinderzimmer erinnere ich mich an jeweils 20 nackte schreiende Babys im Doppelstockwagen vorm Baden. Die Wochenstation war Dank einer freundlich und lebensfrohen Leitungshebamme zur wohltuenden Oase geworden. Viele von uns waren grauenbewegt, wir kannten die amerikanische Alternativszenengeburtshilfe und träumten von Hausgeburtshilfe und selbstbestimmten Geburten. Glücklicherweise waren die Geburtenzahlen sehr rückläufig und so konnten wir mit viel Anstrengung als 1.Kurs durchsetzen, für jeweils 3 Monate, an andere Häuser ausbildungsintern ausgeliehen zu werden. Dort wurden wir mit offenen Armen empfangen und erlebten zum ersten Mal eine familienzentrierte Geburtshilfe.
Gestärkt als Person und in der Rolle der zukünftigen Hebamme kommen wir zurück in die Ausbildungsklinik. Nichts war so wie vorher. Wir wollten nicht mehr einfach stillhalten, wir wollten erfahren, wie die Situation für andere Schülerinnen ist, um gemeinsam zu überlegen und zu formulieren, was eine gute Ausbildung in unseren Augen ausmacht.
Stolz auf unsere Einladungen, freuten wir uns über die schnellen und begeisterten Reaktionen der anderen Schulen. Wir räumten am Wochenende unsere Schulräume auf – planten- kochten – ... und bei wunderschönem Sommerwetter gab es das 1.Hebammenschülerinnentreffen mit Arbeitsgruppen draußen auf dem Rasen, mit großartigem Plenum und einer Abschlussfete mit Tanz und Gelächter.
Das unser „Baby“weitergelebt hat und sogar schon fast volljährig wird, hätten wir nie gedacht. Wir freuen uns darüber und wissen heute nach vielen Jahren Berufserfahrung mehr den je, wie wichtig es ist kritisch zu bleiben, wach und aufmerksam Prozesse zu begleiten, auch unbequeme Fragen zu stellen.
So wünschen wir Euch von genzem Herzen viel Freude, Power, Ausdauer und Träume für Eure Arbeit im Bundeshebammenschülerinnenrat und im Beruf.
Mit tausend Grüßen,
Ehemalige Hamburger Hebammenschülerinnen
(Brief vom 12.01.2000)
